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Hintergrundinformationen:1972 wurde im Staat Bahia am Rio São Francisco mit dem Bau eines Staudamms begonnen, 50 km flußaufwärts von Juazeiro gelegen, bei dem Fischerdorf Sobradinho.Zuerst wurden unterhalb der Baustelle drei (getrennte) Siedlungen angelegt, um die am Bau beschäftigten Menschen unterzubringen: Eine für die Arbeiter, eine für den Mittelstand (Vorarbeiter, niedere Verwaltungsangestellte) und eine für die leitenden Kader (Ingenieure, Manager). Mittels einer landesweiten Werbekampagne wurden von überall her Arbeiter angeworben - für einen Stundenlohn von damals umgerechnet 45 Pf. Arbeitsschutzmaßnahmen fehlten oder wurden nicht eingehalten - viele Arbeiter wurden verletzt oder kamen um. Der niedrige Lohn reichte nicht weit; die Arbeiter mußten oft für lange Zeit von ihren Familien getrennt leben. Die meisten Arbeiter wohnten in Wellblechhütten. Entspannungs- und Freizeitmöglichkeiten gab es keine außer Trinken, Schläger-, Messerstecher- und Schießereien sowie den Prostituierten, die teilweise extra von der Bauleitung angeworben wurden, teils von selbst kamen - man rechnete eine Prostituierte auf fünf Arbeiter. Drei Jahre später wurde mit der Planung (!) der Umsiedlung der betroffenen Bevölkerung begonnen. Die Uferlinie des zukünftigen Stausees wurde jedoch nie ausgemessen - um Entschädigungsansprüche zu vermeiden. Die Einwohner der Städte am Flußufer, Remanso, Casa Nova, Sento-Sé und Pilão Arcado, wurden in Siedlungen ins Landesinnere umgesiedelt, wo ständig Wassermangel herrscht. Verglichen mit den übrigen Bewohnern der Gegend hatten sie aber noch Glück: Diese wurden einfach vertrieben, die meisten ohne jede Entschädigung oder nur mit einem Trinkgeld abgespeist. Viele der oft abgelegenen Dörfer wurden gar nicht erst informiert - sie wurden 1978 von den steigenden Fluten überrascht. Viele Menschen kamen sogar darin um. Insgesamt wurden über 70.000 Menschen von den Fluten vertrieben - die genaue Zahl wurde jedoch nie ermittelt. Die überflutete Region wurde vor Beginn der Stauung nicht abgeholzt. Durch die dadurch hervorgerufene Gärung und Fäulnis kippte der Stausee beinahe um. Wegen des Sauerstoffmangels kamen die Fische an die Oberfläche, was zuerst ungeahnte Fischereierträge brachte, bis der See fast leergefischt war. Da eine Fischleiter bis heute nicht eingerichtet wurde, konnte sich der Fischbestand auch nicht durch neue Brut regenerieren. Heute ist der Stausee von Sobradinho von seiner Fläche Lateinamerikas zweitgrößter See (nach dem Titicacasee): 400 km lang und an der breitesten Stelle 40 km breit. Zur Veranschaulichung: Stünde der Damm in Düsseldorf, wäre der Rhein bis Freiburg gestaut! Der Arbeitersiedlung von Sobradinho versprach die Betreiberfirma des Staudamms, die CHESF (Companhia Hidrelétrica do São Francisco) Wasser aus dem Stausee zur Bewässerung ihrer Felder zur Verfügung zu stellen. Bis heute kämpften die Einwohner vergeblich um die Einhaltung dieses Versprechens. In ihrer Not mußten sie die Abwässer aus den Kloaken der beiden anderen Siedlungen (wegen des Gefälles) zur Bewässerung verwenden. Von dem Wasser aus dem See werden großangelegte Bewässerungsplantagen gespeist. Diese produzieren Obst und Gemüse für den Export in die USA, nach Europa und Japan. Durch das warme Klima sind bis zu drei Ernten im Jahr möglich, dadurch können sie auch im Winter den Deutschen ihren heißgeliebten Spargel auf den Tisch bringen. Ein ehrgeiziger Plan der Regierung (PLANVASF - Plano Diretor de Desenvolvimento do Vale do Rio São Francisco - Generalplan zur Entwicklung des Tals des Rio São Francisco) sieht vor, das gesamte, 2700 km lange Tal des Rio São Francisco bis zum Jahre 2010 in riesige Bewässerungsplantagen zu verwandeln, zusammen mit der entsprechenden Infrastruktur wie Staudämmen, Häfen und einem Flughafen, der bei Petrolina (Pernambuco), Juazeiro auf der anderen Flußseite gegenüber, bereits gebaut wurde. Das Tal des Rio São Francisco soll einmal die Böden in Kalifornien in den USA ersetzen, die nach jahrzehntelanger Bewässerung und Düngung nun versalzt und vergiftet sind und aufgegeben werden müssen. Dennoch soll die Bewässerung im Tal des Rio São Francisco nach diesem bewährten Vorbild (Originalton einer Werbebroschüre für europäische Investoren) durchgeführt werden, obwohl der Nordosten Brasiliens, der Sertão, eine aride Region (eine Trocken- und Dornsträuchersteppe) ist. Wegen des kalifornischen Vorbildes wird der PLANVASF auch "Nova Califórnia" genannt - "Neues Kalifornien". Er sieht vor, daß das Obst und Gemüse per Luftfracht (!) innerhalb von 48 Stunden bei dem hiesigen Verbraucher auf dem Tisch liegen soll... |
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